Nein, keine Sorge, ich spinne nicht an einer Verschwörungstheorie. Ein paar Ereignisse aus der letzten Zeit lassen mich jedoch aufmerken und ich bin erstaunt, mit welchen Menschen sich der Regierende Bürgermeister von Berlin, von manchen für Deutschlands Vorzeigeschwulen gehalten, umgibt.
Im November des letzten Jahren sahen wir Klaus Wowereit gemütlich mit dem König von Saudi-Arabien durch die Hauptstadt bummeln:
Klaus Wowereit macht einen Stadtbummel mit dem Saudi-König
Auf die Situation schwuler Männer in Saudi Arabien bin ich schon mehrfach eingegangen:
Saudi-Arabien: 7000 Peitschenhiebe für Schwule
Der saudische König Abdullah in London
Massenfestnahmen in Saudi-Arabien
Vor wenigen Tagen hat Wowereit sich zum zehnten Mal mit dem Moskauer Oberbürgermeister getroffen. Die beiden duzen sich und scheinen sehr vertraut miteinander zu sein:
Wenn der Wowi mit dem Luschkow
Auch die Verhältnisse in Moskau waren schon oft Thema in meinem Blog, hier nur ein Beispiel:
Der Tag in Moskau: Belagerung und Zensur
Und (nach einem Hinweis von Ondamaris) lese ich nun, dass Wowereit sich auch intensiv um Philipp Anschutz und dessen Geld bemüht.
Um Anschutz zu bewegen, in Berlin zu investieren, flog Bürgermeister Wowereit extra in die USA
Philipp Anschutz? Anschutz ist ein us-amerikanischer Milliardär, der mit seiner Unternehmensgruppe in Berlin in der Nähe des Ostbahnhofs die O2 World baut. Und er ist ein Schwulenhasser erster Güte. Über die finanziell von ihm reichlich geförderte geheimbündlerische evangelikale Colorado-for Family Values versuchte er in Colorado einen Verfassungszusatz zur expliziten Diskriminierung [sic!] von schwulen Menschen durchzusetzen.
Ein nicht unwichtiger Teil der Profite von Anschutz fliesst in die Unterstützung von Gruppen, die seit Jahren gegen die rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben kämpfen. So unterstützt Philip Anschutz als konservativer Republikaner und Anhänger der „Christlichen Rechten“ etwa die Gruppe „Colorado for Family Values“, welche aktiv den Kampf gegen die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen betreibt und die These vertritt, Homosexualität sei eine der wesentlichen Ursachen für Pädophilie und Kindesmißbrauch („Paedophilia is not only a basic part of the homosexual lifestyle, it’s one of the most frightening aspects of their political agenda“). „Colorado for Famliy Values“ gilt als eine der extremsten homosexuellenfeindlichen Gruppen in den USA.
In London führten die Verbindungen von Anschutz ins rechtsreligiöse, homosexuellenfeindliche Milieu zu einem Boykottaufruf schwulen- und lesbenpolitischer Bürgerrechtsgruppen gegen die seit einigen Jahren ebenfalls von Anschutz betriebene Mega-Halle „The Dome“ (bzw. seit neuestem „The O2“): jede Eintrittskarte in die Anschutz-Halle bedeutet Profit für Anschutz und trägt damit direkt zur Finanzierung homosexuellenfeindlicher Gruppen bei (The Observer 16.06.02).
Anschutz und seine Firmengruppe haben ausgezeichnete Kontakte. Ihm gehört The O2 in London (ehemals Millenium Dome) und die Color Line Arena in Hamburg. Und demnächst können die Menschen auch in Berlin ihr Geld bei ihm abgeben, zum Beispiel am 11.12.2008, wenn Elton John dort auftritt.
Der Bau dieses O2-Palastes ist übrigens durchaus symbolträchtig. Bis vor wenigen Jahren befand sich auf dem Gelände das Ostgut, eine Berliner Disco, und darin auch das lab, ’der’ (schwule) Sexclub der Stadt.
Nun kann sich der Regierende Bürgermeister der Bundeshauptstadt nicht uneingeschränkt aussuchen, mit wem er spricht, wem er die Hände schüttelt und wen er hoffiert. Wenn jedoch dieser Regierende Bürgermeister, der so gerne mit seinem Schwulsein kokettiert, sich im Glanz des in kostbare Gewänder gehüllten Saudi-Königs sonnt, sich das Kaffeetrinken mit dem Moskauer Bürgermeister zur Gewohnheit werden lässt und meint, seiner Stadt einen Gefallen zu tun, wenn er in den USA einem konservativen Arschloch in dasselbe kriecht, darf man sich ruhig bei der nächsten Wahl daran erinnern.
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