20 Jul 08

Neulich im Hauptbahnhof. Kühe auf den Schienen, Züge neben den Schienen, Kinder im Gleisbett. Das Übliche halt und ich hatte etwas Zeit. Also bin ich in einen der Zeitschriftenläden gegangen, hab’ Bild und Express durchgeblättert, mir die Sexratgeberseiten in der Bravo angeschaut und mich in die Abteilung Männermagazine vorgearbeitet. Auf halben Weg, also zwischen Rätsel- und Frauenzeitschriften und den Männermagazinen lag die Front. Ich hab’ sie liegen gelassen, sollen andere die Remittentenquote abbauen. Der Bereich Männermagazine ist zweigeteilt. Links für Jungs wie mich, rechts für die anderen.

Während ich so in der Männer aktuell blättere, sehe ich rechts neben mir einen aufgebrezelten Sonnenbrillengoldkettchenbrusthaarmacho stehen. Den kenne ich doch!

TGD: “Hi Blubbsert! Was machst Du denn hier?”

Blubbsert: “Äh… Oh…. Äh… Hi! Tach! Lange nich’ gesehen.”

Hektisch steckt er das Heft, in dem er blätterte, ins Regal zurück.

TGD: “Was lieste denn da?”

Blubbsert: “Nix. Gar nichts! Ich hab’ nur mal so geguckt…”

TGD: “Hier? Du bist doch so ‘n Sportfreak, die Heftchen mit den geilen Fußballspielern sind da hinten.”

Ich deute auf das andere Ende der Regalreihe und greife dort hin, wo er das vom ihm durchgeblätterte Heft hingesteckt hat.

Blubbsert: “Ey, lass das!”

Er will mich wegschubsen, aber ich bin schneller.

TGD: “Men’s Health!?”

Ich schaue ihn entsetzt an.

TGD: “Blubbsert, das darf doch nicht wahr sein!”

Blubbsert (wird rot): “Ich hab’ nur mal geguckt, nur so. Ich würd’ mir so was doch nich’ kaufen. Ich bin nicht schwul, ey. Ich kann da gar nix mit anfangen.”

Nervös tippt er mit dem Zeigefinger auf das unansehnlich aufgeblähte Covermodell.

Blubbsert (nimmt mir die Zeitschrift weg): “Komm, tu das weg. Diese halbnackten Männer da drauf. Da kommt man sich ja vor, als sei man homosexuell!”

TGD (guckt irritiert): “Was? Wie kommt man sich vor?”

Blubbsert: “Na, wie so’ne Schwuchtel halt.”

TGD: “Und wie kommt sich eine Schwuchtel vor?”

Blubbsert: “Ach, weiß ich doch nicht. Is’ doch scheißegal. Ich kauf’ mir so was jedenfalls nicht.”

Ich auch nicht. Aber ich versuche erst gar nicht, Blubbsert das zu erklären.

An der Kasse treffen wir uns wieder. Blubbsert hat bereits seine Zeitschrift bezahlt. Ich finde mein Portemonnaie nicht.

TGD: “Blubbsert, kannst Du gerade mal meine Zeitung halten, ich muss mein Portemonnaie suchen.”

Ich drücke ihm eine Zeitung in die Hand.

Blubbsert (kreischt wie ein kleines Mädchen): “Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii, iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiik, weg damit, nimmt das weg!”

TGD (blöd guckend): “Spinnst Du, was ist denn jetzt los?”

Blubbsert: “Nimm das weg, nimm das weg. Ich will das nicht!”

TGD: “Was soll das? Das ist die Süddeutsche Zeitung, die tut Dir nichts.”

Blubbsert (hyperventilierend): “Sowas würd’ ich mir nich’ kaufen. Kommt man sich ja vor als sei man Bayer!”

TGD (entgeistert): “Äh… what?”

Wir verlassen den Zeitschriftenladen. In der Bahnhofshalle wird Blubbsert von einem anderen aufgebrezelten Sonnenbrillengoldkettchenbrusthaarmacho angerempelt. Blubbsert’s Zeitschrift fällt auf den Boden. Der andere Typ hebt sie auf. Er hält die neueste Ausgabe der FHM in den Händen.

Zweiter aufgebrezelter Sonnenbrillengoldkettchenbrusthaarmacho (geiert): “Ey Alder, bissu dumm oda was. Wat isch dat denn für’n Scheiß? Bah, ey, halbnackte Fotze. Dein Tusse lässt Disch wohl nich’ ran, brauchse Wixvorlage?”

Blubbsert blubbert irgend etwas Unverständliches.

 

(Dank an Aquarius82 für die Idee zu diesem Post.)

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