11 Jul 08

Eine kleine CSD-Nachlese:

1.

Faschistische Sektierer der Ortschristenheit sind natürlich an vorderster Front dabei, wenn es gegen Schwule geht. Von Berufsschwulen und Eiferern ist die Rede in

Es ist wieder CSD-Zeit“, vorzüglich aufbereitet von GayWest in “Quadratur des Kreises op kölsch“.

Das kirchliche Fußvolk ist über ‘Pro Köln’ und ‘Christen pro Köln’ wenig erbaut, während ich den erzbischöflichen Behörden und dem Erdbeerschorsch höchstselbst, gewiss ohne ihnen Unrecht zu tun, unterstellen darf, dass sie das Treiben der ‘Christen pro Köln’ mit Wohlwollen betrachten.

2.

Schamlos intolerant schreibt ein schwuler Redakteur des Kölner Stadtanzeigers. Und die Intoleranz wirft er den Schwulen vor. Bemerkenswert dämlich und mit genug Stoff für einen Post versehen, aber ich habe keine Lust, mich hier immer wieder zu wiederholen. Erstaunt bin ich, wer alles regulierend in den CSD eingreifen und (vor)schreiben will, wie sich schwules Leben darzustellen hat.

3.

Im Stadtmenschen-Blog des KStA gibt es mehrere Posts zum CSD:

Roeschen, extra zu Fuß ins Sauerland geflüchtet schreibt

CSD? Ich bin noch nie hingegangen!

Damit lockt sie das braune Pack aus den Löchern und Schwule werden bei ihren Claqueren schnell zu Kinderfickern und Bekloppten.

Bienschen hingegen sagt

CSD! ich bin schon oft hingegangen …

und Sua Sponte führt eine Diskussion über den nackten Arsch des Übels in

Grässlich.

heiwe meint in

CSD: Ich werd nicht hingehen

Schwulsein sei überhaupt kein Problem. Recht hat er, wenn man sich gerne beleidigen, mobben, bespucken, erschlagen und ermorden lässt, ist es wirklich sehr eingenehm, schwul zu sein.

Lenaa schreibt

CSD – Da simmer dabei, dat is prima!

und jumboline und Sua Sponte beenden mit mehr oder weniger geglückten Versuchen (?) ihre satirischen (?) Talente (?) ans Tageslicht zu befördern vorläufig den dortigen Post-Reigen:

Schluss mit Hetero, ich will der …

Schluss mit Hetero! … sagt Jumbo …

Zu 2. und 3. sei besonderes auf die Kommentierungen in den verlinkten Dokumenten hingewiesen.

Mir wird deutlich, dass

  • sich insbesondere Menschen zu Wort melden, die nicht zum CSD gehen, aber ganz genau wissen, was dort vor sich geht.
  • Menschen sogar ins ferne Sauerland ziehen, um dort Erkenntnisse über den CSD zu sammeln.
  • in Köln (viele ?) Menschen leben, die einem hinterwäldlerischen Rechtsaußendorf alle Ehre machen würden.
  • Schwule sich gefälligst normal verhalten sollen. So normal, dass niemand merkt, dass sie schwul sind.
  • zu den größten Feinden schwuler Menschen schwule Menschen gehören.
  • in der Argumentation gegen den CSD immer wieder Kinder vorgeschickt werden. “Wie soll diesen und jenes den lieben Kleinen erklärt werden?”. Heuchlerischer geht es nicht. Wie, liebe hochanständige Eltern, erklärt ihr denn den lieben Kleinen das sonstige, eher unerquickliche Tagesgeschehen auf den Kölner Straßen, Bahnen und Schulhöfen? Oder in der eigenen Wohnung? Gibt’s da keinen Sex? Ist da nie was zu hören und zu sehen? Wie wird denn sichergestellt, dass die Kinderchen Mami und Papi nicht auch mal nackt sehen? Und die Flimmerkiste und der PC bleiben vermutlich den ganzen Tag ausgeschaltet, oder wie?
  • jeder schwulenfeindlich eingestellte Mensch mindestens einen schwulen Menschen in seinem Freundeskreis hat, der mindestens genau so schwulenfeindlich eingestellt ist, wie er selbst.
  • schwule Menschen mindestens einen nicht schwulen Freund haben, der den CSD eklig findet.
  • selbst das recht schlichte Motto des Kölner CSD offenbar den geistigen Horizont mancher Menschen übersteigt.
  • die Energie, die hier und da auf die Heilung von schwulen Menschen verwendet wird, besser zur Heilung mancher nicht schwuler Menschen von ihren Minderwertigkeitskomplexen, die in den Posts/Kommentaren so schamlos zur Schau getragen werden, eingesetzt würde.

Diese Reaktionen, die sich in den oben erwähnten Veröffentlichungen und den Kommentaren dazu widerspiegeln, zeigen mir, wie wichtig der CSD gerade hier in Köln ist.

Mir hat der diesjährige CSD aus vielerlei Gründen nicht gefallen und ich hatte für mich schon beschlossen, im nächsten Jahr dem ‘Ereignis’ fern zu bleiben. Aber der sich aufbäumende, teilweise offen formulierte, teilweise mühsam hinter scheinheiligen Toleranzbekenntnissen versteckte Kleingeist, bedeutet mir, dass genau das Gegenteil richtig ist.

Ich werde wieder hingehen, und ich habe große Lust genau das zu machen, was die Damen und Herren Anstandswächter und Neidhammel so richtig auf die Palme bringt.

Ergänzung 12.07.2008:

Nun hat sich auch der Organisator des ColognePride, der Kölner Lesben- und Schwulentag eV (KLuST), zu Wort gemeldet:

Kein Sägen am Ast der Freiheit

Quintessenz dieser Äußerung: Der KluST ist für die von der heteronormativen Öffentlichkeit als schön und angenehm empfundenen Seiten der Veranstaltung verantwortlich. Für die Empörung auslösenden Auftritte und ‘Erscheinungen’ sind allein die bösen CSD-Teilnehmer verantwortlich zu machen, die es wagen, nicht in zurückhaltendem grauen Straßenanzug vor die Schaulustigen zu treten.

Ich weiß nicht, wo dieser Typ

seinen Auftritt hatte. Aber spätestens wenn solche Leute nicht mehr beim CSD zu finden sind, wenn die Paradiesvögel und die ‘einmal im Jahr die Sau raus lassen Typen’ fehlen, wenn die nackten Ärsche, die Bartmänner und Lederkerle, die Latex- und Gummifetischisten nicht mehr da sind, wenn Ihr die Freaks, die Individualisten, die ganz Anderen, all diejenigen, die die schwule Welt so bunt, so reizvoll, so aufregend machen, vergrault habt, wenn Euch die vereinigte Spießbürgerschaft weichgekocht hat und Euer Reglement so anständig ist, dass Euch der Erdbeerschorsch zur Fronleichnahmsprozession einlädt, dann habt ihr es endlich geschafft. Ihr seid akzeptiert! Ihr seid endlich eins mit dem Karnevals-Fußball-WM-EM-Sommerjam-Weihnachtsmarkt-Weltjugendtags-KölnerLichter-Einheitsbrei, und dürft genau so ungeniert wie alle anderen die S-Bahn vollkotzen. Der CSD als Pfarrfest für die ganze Familie. Garantiert schwulenfrei! Macht nur weiter so, Ihr seid auf dem besten Weg dorthin. Aber diesen Weg gehe ich nicht mit Euch. Es wird Euch nicht weiter interessieren, denn ich habe keine Sponsorengelder zu verteilen, ich will auch nicht mit dem Oberbürgermeister und der Landesregierung frühstücken und brauche keine offiziellen Delegationen von Bundes- und Landtag, brauche keine Grußworte und auch nicht die Gunst der Öffentlichkeit. Dafür werde ich aber auch nicht das letzte bisschen Schwulen Stolz verlieren!

ColognePRIDE? Nein, CologneTruckle ist das neue Motto!

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