28 Jun 08

Der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch hat an seinem Amtssitz aus Anlass der Pride Week eine Regenbogenflagge hissen lassen. 

Erwartungsgemäß plärrte der örtliche CDU-Vertreter los:  

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Frank Henkel, warf Glietsch mangelnde Toleranz sowie Spießigkeit vor. Glietsch habe seinen Beamten per Dienstanweisung und mit Verweis auf das Neutralitätsgebot untersagt, Deutschlandfahnen an ihren Streifenwagen anzubringen. „Nun lässt er vor seinem Dienstsitz die Regenbogenflagge hissen. Ich bin erstaunt, wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird, was die Neutralität der Polizei betrifft“, so Henkel.

Weniger erwarte hatte ich, dass auch der Berliner Landesvorsitzende (sich selbst als “Landeschef” titulierend) Bodo Pfalzgraf der Deutschen Polizeigewerkschaft empört aufquiekt

Ich glaube fest daran, dass die Berliner Polizisten Kriminalität neutral und ohne Vorurteile bekämpfen. 

Es glaubt, weiß es aber nicht. Dieser Glaube lässt ihn unbeirrt herumposaunen: 

Aber Schutz wird durch Präventionsprojekte und harte Polizeiarbeit gewährleistet und nicht durch Regenbogenfahnen vor dem Polizeipräsidium! 

Das Signal von Herrn Glietsch mag parteipolitisch zweckmäßig und gewollt sein – führt aber bei neutralen Beobachtern und Polizisten zu Irritationen. 

Amen! 

Nun mag es dem ein oder anderen vielleicht überzogen erscheinen, Pfalzgraf und die irritierten Polizisten aufgrund dieses dämlichen Statements (haben Polizeigewerkschaftsbosse nichts Sinnvolles zu tun?) der Homophobie zu bezichtigen. 

Deshalb ein Test: 

  • An dem Dienstgebäude oder der Betriebsstätte des Arbeitgebers eines schwulen Arbeitsnehmers wird anlässlich des örtlichen CSD eine Regenbogenfahne gehisst. Wie reagiert der Arbeitnehmer? Nun, entweder freut er sich, oder es ist ihm gleichgültig. In seltenen Fällen, wenn er ungeoutet ist oder die Fahne blöden Kollegen Anlass zu blöden Witzen gibt, fühlt er sich unbehaglich. 
  • An dem Dienstgebäude oder der Betriebsstätte des Arbeitgebers eines nicht schwulen und nicht homophoben Arbeitsnehmers wird anlässlich des örtlichen CSD eine Regenbogenfahne gehisst. Wie reagiert der Arbeitnehmer? Nun, es ist ihm gleichgültig. Wenn er schwule Arbeitskollegen hat, wird es sich eventuell mit ihnen freuen. 
  • An dem Dienstgebäude oder der Betriebsstätte des Arbeitgebers eines homophoben Arbeitsnehmers wird anlässlich des örtlichen CSD eine Regenbogenfahne gehisst. Wie reagiert der Arbeitnehmer? Nun, er kocht innerlich und vielleicht beschimpft er seinen Chef und alle, die das Fahnenhissen gut finden.

Für den Fall, dass noch jemand Zweifel hat, dass Pfalzgraf in die Kategorie homophober Menschen gehört, lasse ich ihn und seine Angst vor allem schwulem noch einmal zu Wort kommen: 

Jetzt fehlt nur noch die Anweisung[,] Regenbogenfahnen an den Dienstfahrzeugen zu befestigen.

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