23 Jun 08

So, oder so ähnlich, könnte der Titel eines billigen Krimis lauten. 

Es geht aber um etwas anderes. Lawrence King (15) wurde im Februar 2008 in Oxnard (Kalifornien) von seinem 14jährigen Mitschüler Brandon McInerney erschossen. Einziges Tatmotiv: Larry war schwul und hat Brandon Avancen gemacht. 

McInerney droht bei einer Verurteilung nach Erwachsenstrafrecht eine 50jährige Haftstrafe. Die Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht ist nach kalifornischem Recht unter anderem dann möglich, wenn die Tat als Hassverbrechen gewertet wird. 

Mehrere amerikanische schwullesbische Verbände haben sich, aus mir unverständlichen Gründen, dafür stark gemacht, den Fall an ein Jugendgericht zu verweisen und McInerney unter Jugendstrafrecht zu verurteilen. Er würde dann mit etwa 10 Jahren Haft davon kommen. Auch der Anwalt von McInerney versucht es mit der Mitleidstour. McInerney habe das alles nicht gewollt, er sei doch selbst noch ein Kind, man müsse Verständnis haben, und bla, bla, bla. 

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Mitleid für den Täter aufgebracht wird, und wie wenig Mitgefühl dem Opfer, dem es freilich nichts mehr nützt, und dessen Angehörigen gilt. 

Und so argumentiert McInerney’s Anwalt William Quest in alter Tradition, dass das schwule Opfer doch selbst schuld sei und McInerney nicht genug vor seinem schwulen Verehrer geschützt wurde: 

Quest declined to disclose the legal defenses he intends to assert at trial, but did say, “We think there were issues at the school that we don’t think were addressed properly. . . . We’re not trying to blame the school . . . no one wanted this to happen, least of all the school. But . . . people saw situations arising and they tried to stop it; they were not allowed to. We think that a problem was allowed to fester.” 

Quest said that by “people,” he meant teachers. 

Last month, Quest told the Los Angeles Times that school administrators had allegedly been more interested in protecting King’s expression of his sexuality than in addressing the escalating friction between the two boys, which Quest blames at least in part on King’s allegedly having flirted openly with McInerney. “We think there will be evidence that the school, with the actions of Larry, didn’t quite know how to deal with it,” Quest told the Times. 

McInerney war also geradezu gezwungen, Larry zu erschießen. 

Und dann ist da noch McInerney’s schwere, schwere Kindheit: 

Quest also appears poised to base McInerney’s defense at least in part on the boy’s allegedly troubled childhood. “We will establish that there was addiction on both the mom and dad and domestic violence, and . . . that had [an] effect on Brandon,” he said in an interview with National Public Radio posted online June 9.

Damit hat Quest das schwulenfeindliche Standardrepertoire schwulenfeindlicher Rechtsanwälte abgespult. Dabei ist ihm selbst in den Sinn gekommen, ihm könnte nun Schwulenfeindlichkeit, und damit sachfremde Argumentation, vorgehalten werden. Deshalb zaubert er einen schwulen Bruder aus dem Ärmel: 

“I can tell [...] I’ve got a young brother who’s gay. I saw how difficult it was for him to come out. Now, he came out when he was in college at Berkeley, [so it was] easier than in junior high. But I saw the struggle he went through . . . and I hope [this is] not perceived as gay-bashing because it’s not. That’s not who I am.”  

Der Trick ist so billig, und wir kennen ihn schon von Christoph Daum: Einfach behaupten, man kenne einen Schwulen, dann kann man doch gar nicht schwulenfeindlich sein, und schon darf man so tun, als wisse man alles über Schwule und ihren abgründigen, hetennachstellenden Lebensstil. Als nächstes wird Quest behaupten, sein angeblich schwuler Bruder sei auch der Meinung, dass es in Ordnung sei, Schwule zu erschießen und und zur Normalität eines 14jährigen gehöre.

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