28 May 08

Bloggerin ‘Lotuslicht’ berichtet auf dem Stadtmenschen-Blog des Kölner Stadt-Anzeigers von einer Straßenbahnfahrt in Köln:

Auf dem Weg mit der Linie 1 nach Hause, gab es in der letzten Nacht gegen 2 Uhr folgende Begebenheit: Am Fenster sitzend wartete ich am Neumarkt sehnsüchtig auf die Weiterfahrt, war sehr müde und wollte ins Bett. Auf dem Vierersitz neben mir saßen zwei junge Männer, die ich um ein Taschentuch bat, welches mir einer der beiden freundlich reichte. Kurz vor der Weiterfahrt öffnete sich die letzte Tür und sieben junge Männer stiegen ein, und setzten sich zu mir und den beiden jungen Männern. Einer der Sieben fragte mich, ob ich Koks dabeihabe, was ich verneinte. Auch die beiden Sitznachbarn wurden nach Koks gefragt, verneinten und unterhielten sich weiter. Einer von den Sieben schaute die beiden länger an und fragte, ob die beiden schwul seien. Einer seiner Freunde versuchte ihn zurückzuhalten und sagte:” Schwule sind doch auch Menschen!” Der andere fragte nochmals, ob die beiden schwul seien. Darauf antwortete der Gefragte, ob er ein Problem damit habe. Ein lauter Wortwechsel entstand, in dem immer wieder gefragt wurde, ob man ein Problem mit dem jeweils anderen habe. Die Stimmung wurde innerhalb kürzester Zeit sehr beängstigend und aggressiv, so dass ich zu meinem Handy griff, als alle aufstanden und sich zu schubsen begannen. Ich rief die Polizei und bat um Unterstützung an der Haltestelle Rudolfplatz. Mittlerweile hatten alle Fahrgäste mitbekomen, dass die Situation zu eskalieren drohte. Ein Mann rief von hinten, es sollten alle am Rudolfplatz sofort aussteigen und Ruhe bewahren. Die Türen öffneten sich und die Sieben stiegen aus, die beiden Männer blieben jedoch in der Bahn stehen.
Plötzlich kam einer der Gruppe wieder in die Bahn, hielt sich mit beiden Händen an der Haltestange über ihm fest und trat mit Schwung dem einen vor die Brust. Ich hatte die Polizistin noch am Apparat und schrie, dass es eine Schlägerei gebe, es müsse bitte sofort jemand kommen. Alle sieben Männer stürzten sich gerade auf die beiden Freunde und schlugen und traten brutal auf sie ein, Gegenwehr war fast nicht möglich. Der Mann von hinten kam dazu und versuchte zu helfen, schrie immer wieder: “Aufhören!”, und ich brüllte aus voller Kehle mit, voller Angst, selber geschlagen zu werden, da ich schwanger bin, aber auch vor Wut über diese Ungerechtigkeit und sinnlose Gewalt. Nach endlos erscheinenden Sekunden flüchtete die Gruppe mit der Tasche des einen, die beiden Opfer blieben noch in der Bahn, als die Polizistin am Telefon riet, auch auszusteigen, falls die Täter gefasst würden. Ich stieg mit den beiden aus, die geschockt und fassungslos waren. Zufällig war schon Polizei vor Ort und konnte die Schläger sofort fassen.
Unsere Personalien wurden aufgenommen und unsere Aussagen, auch die des couragierten Mannes, der anfangs gerufen und dann geholfen hatte.
Beide Geschlagenen hatten Blessuren im Gesicht, Nasenbluten und Rippenschmerzen. Die entwendete Tasche wurde mit Inhalt zurückgebracht, dann mussten sie auf die Wache, um Anzeige zu erstatten.
Den Rest des Weges bin ich mit dem Taxi gefahren.

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