17 May 08

Die Queer berichtet:

Ein 42-jähriger HIV-positiver Mann ist in Dallas (US-Bundesstaat Texas) zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er einem Polizisten ins Gesicht gespuckt hatte. Die Geschworenen sahen es am Dienstag als erwiesen an, dass der Angeklagte Willie Campbell seine Speichelflüssigkeit als gemeingefährliche Waffe eingesetzt habe. Er muss mindestens die Hälfte der Strafe absitzen, danach kann das Urteil – bei guter Führung – zur Bewährung ausgesetzt werden.

Zunächst sollte mein Post zu diesem Thema die Überschrift “Noch ganz bei Trost?” erhalten, denn 35 Jahre Haft erscheinen mir doch sehr übertrieben. Wie will man denn in Texas ernste Verbrechen bestrafen? Ich hätte in diesen Fall eine deutliche Verwarnung und vieleicht ein paar Sozialstunden als Strafe genügen lassen. Wenn ich mich allein auf die Queer gestützt hätte! Die Erfahrung mit dem Online-Blättchen hat jedoch gelehrt, vorsichtshalber in der seriösen Presse nachzulesen. Und die New York Times lässt Mr Campbell in einem sehr zweifelhaften Licht erscheinen:

In May 2006, a passer-by reported an unconscious man, Mr. Campbell, sprawled outside a downtown Dallas building. Mr. Campbell tried to fight paramedics and kicked the police officer who arrested him for public intoxication, prosecutors said.

[...] because he had been convicted of attacking two other officers in a similar manner and biting two inmates, as well as more than two dozen other offenses.

After Mr. Campbell was convicted by a jury, he shouted at the prosecutor and police officers, calling them liars and telling them to “rot in hell” for “railroading an innocent man.”

Mr. Campbell waived his right to appeal and is awaiting transfer from the Dallas jail to prison.

Zwar ist die Einlassung der Jury, Campbell’s Speichel sei eine tödliche Waffe, schwachsinnig und zeugt von erheblichem Aufklärungsbedarf. Jedoch würde Mr Campbell vor dem aus der NYT bekannt gewordenen Hintergrund nun auch bei mir nicht mehr so ohne weiteres davonkommen.

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