3 May 08

Nun hat er es also nicht mehr geschafft, der rote Ken (Livingston). Knapp, aber eindeutig: Die Londoner haben ihn nicht wiedergewählt. Boris ist jetzt neuer Mayor of London. Und das ist nicht gut so! Gut ist vor allem nicht, dass ‘meine Londoner’ sich von den Medien haben vorschreiben lassen, wen sie zu wählen haben.

10 Kandidaten standen zur Wahl. In den Umfragen der letzten Wochen zeichnete sich ein Kopf an Kopf Rennen ab zwischen Ken Livingston und einer Vogelscheuche namens Boris Johnson. Andere Kandidaten, wie Brian Paddick, der frühere stellvertretende Chef von Scotland Yard, folgten mit großem Abstand.

Kaum zu glauben, aber dieser Boris Johnson von den Tories erfreute sich bei den Medien großer Beliebtheit. Dabei ist sein Wahlprogramm ausgesprochen lächerlich.  Aber nicht anders als in Deutschland sind auch im Königreich Witzfiguren bei den Medien besonders beliebt. Insbesondere wenn sie nur gequirlte Hühnerkacke und nichts Inhaltliches von sich geben. Warum Boris Bürgermeister von London werden wollte, beschreibt er so:

I put myself forward for this job because I have the energy and fresh thinking to turn the tide on our problems with crime, transport, housing and the local environment.

Er hat vielleicht ein paar energy drinks zu viel getrunken, mehr aber auch nicht.

Blicken wir kurz zurück: Ken Livingston war der erste Bürgermeister von London (nicht zu verwechseln mit dem Lord Mayor der City of London), den die Geschichtsschreibung kennt. Bis Mitte der 80iger Jahre gab es ein Verwaltungsgremium, das für einen großen Teil des heutigen Stadtgebiets zuständig war. Livingston saß diesem Gremium vor, war aber nicht Bürgermeister im heutigen Sinne. Die konservative Thatcher-Regierung löste diese Verwaltungsbehörde auf und übernahm selbst die wichtigsten Verwaltungsangelegenheiten der Stadt. Von da an ging es mit London abwärts, und zwar im Sturzflug! London wurde eine der unsichersten Großstädte, der öffentliche Personennahverkehr an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. London wurde zum Schreckgespenst für seine Einwohner. Konservativen Daseinsvorstellungen entsprechend wurden einige wenige Nobelviertel gehegt und gepflegt; hier stiegen die Miet- und Grundstückpreise deutlich an. In weiten Teilen der Stadt jedoch verkam die Infrastruktur. Allein der ungenügend ausgebaute ÖPNV zwang viele Menschen, in der Stadt, und damit in der Nähe ihrer Arbeitsplätze, wohnen zu bleiben und Mieten zu bezahlen, die nicht ansatzweise gerechtfertigt waren.

All diese von den Konservativen herbeigezwungenen Probleme will der konservative Boris also lösen. Jedoch: Er kommt damit 8 Jahr zu spät.

Im Jahr 2000 wurde eine gesamtstädtische Verwaltung (wieder) hergestellt und Ken Livingston zum Bürgermeister gewählt. Seitdem erlebt die Stadt einen unglaublichen Aufschwung. Die Kriminalitätsrate ist drastisch gesunken, es gibt wieder bezahlbaren Wohnung in guten Lagen und der ÖPNV hat, allen Unkenrufen zum trotz, mittlerweile einen guten Standard erreicht. Selbstverständlich sind noch längst nicht alle Probleme gelöst und Ken Livingston ist gewiss nicht der einzige, der diese Probleme lösen könnte. Und Livingston hat sich nicht nur mit Ruhm bekleckert. Seinem konservativen Nachfolger Boris Johnson ist er jedoch haushoch überlegen. Der Politikclown Johnson wird mit London und den Londonern ein Kasperletheater veranstaltet.

Schade, liebe Londoner, dass Ihr Euch und uns das nicht erspart.

Einzelheiten zur Wahl gibt es hier und hier.

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