30 Apr 08

Ich habe mich hier vor ein paar Tagen über Vorhaben zur Entwicklung eines Fragebogen zur sexuellen Orientierung geäußert. Die Diktion meines Post hat nicht nur Zustimmung gefunden. Ich habe deshalb den an der Durchführung des Forschungsvorhabens Beteiligten angeboten, ihre Sicht der Dinge darzustellen:

Gegendarstellung

Online-Fragebogen zur sexuellen Orientierung

In unserer Arbeitsgruppe wird zurzeit ein Fragebogen zur sexuellen Orientierung entwickelt, dessen aktuelle Inhalte für einige Diskussionen innerhalb der „Community“ gesorgt haben. Uns wurde dankenswerterweise die Möglichkeit eingeräumt, dazu Stellung zunehmen, was wir hiermit auch gerne – in aller Kürze – tun möchten.

Zur Vorgeschichte

Innerhalb unserer eigenen wissenschaftlichen Recherchen sind wir auf den – aus unserer Sicht – Missstand gestoßen, dass im überwiegenden Großteil der einschlägigen Wissenschaft die sexuelle Orientierung der Teilnehmer über extrem alte, und insgesamt über sehr verschiedene Fragebögen erhoben wurde. Die Inhalte dieser Fragebögen sind in keiner Weise miteinander zu vergleichen und reichen von simpelsten Fragen bezüglich der Selbstidentifikation bis hin zu umfangreichen Katalogen mit diversesten Inhalten. Damit kann in vielen Fällen über die Frage gestritten werden, ob jeder dieser Fragebogen auch wirklich eine Aussage über den „Gegenstand“ macht, den er erheben soll. Darüber hinaus erheben Fragebögen, welche z. B. 1948 konzipiert wurden die sexuelle Orientierung im Rahmen des damaligen Wissensstandes zur sexuellen Orientierung.

Leider kommen diese Fragebögen auch heute noch viel zu häufig zur Anwendung.

Zur Zielsetzung

Unser Ziel ist es nun, auf lange Sicht einen zuverlässigen Fragebogen zu entwickeln, der „sexuelle Orientierung“ in ihrer Vielschichtigkeit und in allen möglichen Facetten erfasst, sei es im Erleben, im Verhalten, in der Identifikation oder in weiteren angrenzenden Bereichen. Der Fragebogen soll in der Folge der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, damit er in möglichst vielen Bereichen Anwendung finden kann.

Zum Vorgehen

Orientiert an der wissenschaftlichen Methode zur Fragebogenkonstruktion haben wir zu Beginn alle möglichen Fragen gesammelt. Unsere Quellen reichten dabei von bereits bestehenden Fragebögen über aktuelle Theorien zur sexuellen Orientierung bis hin zu Meinung von uns bekannten heterosexuellen und homosexuellen Männern und Frauen.

In diesem Stadium war es nun wichtig, vorab keine Fragen auszusondern und die Sammlung so wie sie war, möglichst vielen Menschen zur Beantwortung vorzulegen. Mithilfe dieser Antworten können dann im Anschluss die Fragen bestimmt werden, die gut geeignet sind, die sexuelle Orientierung zu beschreiben und ebenso solche, die dafür völlig ungeeignet sind. Diese werden in der nächsten Version des Fragebogens dann nicht weiter verwendet. Letztendlich soll ein Fragebogen entstehen, der nur noch einen kleinen Teil der aktuellen Fragen enthält.

Die Konsequenz

Durch dieses methodischen Vorgehen bedingt – vor allem aufgrund der Notwendigkeit darauf zu verzichten, eine Vorauswahl an Fragen zu treffen – mögen einige der Fragen unsinnig erscheinen, klischeehaft klingen oder als homophob und provokant empfunden werden. Leider ist dies unumgänglich, und wir erwähnen dies ausdrücklich auf unserer Website.

Unser Fehler

Es ist einzuräumen, dass die ausführlichen Informationen, wie sie jetzt auf unserer Internetseite (http://www.psycho.uni-duesseldorf.de/abteilungen/bsp/probanden_suche) erscheinen, schon zu Beginn der Fragebogenstudie hätten veröffentlichen müssen. Ursprünglich hatten wir lediglich innerhalb des Fragebogen-Formulars selbst darauf verwiesen, dass die Teilnehmer uns bei Interesse und Fragen gerne kontaktieren konnten. Dadurch hätte sicherlich ein Großteil der entstandenen Irritation verhindert werden können.

Persönliche Stellungnahme

Unser Vorgehen hat es mit sich gebracht, dass innerhalb unseres Fragebogens einerseits Fragen enthalten sind, die subjektive Meinungen widerspiegeln und andererseits solche, die verschiedensten theoretischen Strömungen entstammen. Weder die eine noch die andere Art der Fragen hat einen Bezug zu unserer persönlichen Einstellung.

Wir sind der Meinung, dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema der sexuellen Orientierung verantwortungsbewusst und möglichst aus der „Community“ heraus erfolgen sollte und als schwul-lesbische Arbeitsgruppe ist es uns ein Anliegen, dies auch zu tun.

Wir möchten gerne auch weiterhin einen derart fruchtbaren Dialog aufrechterhalten, wie er in den letzten Wochen entstanden ist. Daher laden wir alle Interessierten ein, den Fragebogen zu beantworten und uns Anregungen und Kritik zukommen zu lassen.

Weiterführende Informationen finden sich auf unserer Website:

http://www.psycho.uni-duesseldorf.de/abteilungen/bsp/probanden_suche

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