Ich war zunächst geneigt, diesem Post die Überschrift “Universitärer Dünnschiss” zu geben. Aber schauen wir doch erst einmal, was der Herr Cand.-Psych. zu sagen hat.
In einem von mir abonnierten Newsletter erhielt ich folgende Mitteilung:
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin Psychologie-Student an der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf. Zur Zeit arbeite ich an meiner Diplomarbeit in der es um die Erstellung eines aktuellen “Fragebogens zur Erfassung der sexuellen Orientierung” geht.
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie sich ca. 20 Minuten Zeit nehmen, um meinen Fragebogen auszufüllen und/oder diese E-Mail an Ihnen bekannte Lesben und Schwule weiterleiten.
Die Beantwortung und Auswertung erfolgt selbstverständlich anonym!
Den Fragebogen und weitere Informationen finden Sie auf:
http://www.psycho.uni-duesseldorf.de/abteilungen/bsp/probanden_suche
Vielen Dank für Ihre Mithilfe!!
Viele Grüße
N
Auf der angegebenen Homepage heißt es:
Online-Fragebogen zur sexuellen Orientierung
Cand.-Psych. N
Dipl.-Psych. L
Prof. Dr. PWir entwickeln zurzeit einen Fragebogen zur sexuellen Orientierung. Da die Fragebögen, die zu diesem Thema in der wissenschaftlichen Praxis eingesetzt werden, aus den 1950′er Jahren stammen, halten wir es für dringend erforderlich einen zeitgemäßen und den wissenschaftlichen Normen entsprechenden Fragebogen zu entwickeln. Um dies zu erreichen ist es wichtig, dass möglichst viele lesbische Frauen und schwule Männer diesen Fragebogen ausfüllen.
Wir verfolgen dabei keinerlei finanzielle Interessen!
Bei eventuellen Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Aha, ein Fragebogen zur Entwicklung eines Fragebogens? Merkwürdig! Und es sollen möglichst viele Schwule und Lesben teilnehmen. Noch merkwürdiger!
Finanzielle Interessen werden angeblich nicht verfolgt. Um welche Interesse geht es dann? Welche Ziele werden tatsächlich verfolgt? Wem nützt die ganz Aktion? Vor welchen Karren sollen Schwule und Lesben jetzt wieder gespannt werden?
Es ist sehr erhellend, sich durch den Online-Fragebogen zu klicken. Schnell wird klar, dass es hier nicht um die Interessen schwuler und lesbischer Menschen geht, sondern vielmehr darum, Stoff zu sammeln, den man bei vielfacher Gelegenheit gegen schwule und lesbische Menschen verwenden kann.
Wer sich nicht der langwierigen Mühe unterziehen will, sich durch den Fragebogen zu arbeiten; ich habe hier ein paar der Fragen zusammengestellt. Als Antwort wird entweder Freitext erwartet oder es stehen folgende Auswahlfelder zur Verfügung
- eindeutig nicht zutreffend
- nicht zutreffend
- weder zutreffend noch nicht zutreffend
- zutreffend
- eindeutig zutreffend
Ich frage mich, wo der Unterschied zwischen “eindeutig nicht zutreffend” und “nicht zutreffend” sein soll. Wenn etwas ‘eindeutig nicht zutreffend’ ist, ist auch ‘nicht zutreffend’, und umgekehrt. Allein diese Art der Abfrage (neben ihrer mangelnden Repräsentativität) lässt befürchten, dass die zu erwartenden unbrauchbaren Ergebnisse in gewünschte Aussagen ummanipuliert werden.
Hier nun Auszüge aus dem von wissenschaftlicher Tiefe geprägten Fragebogen:
Händigkeit: Linkshänder, Rechtshänder, Beides, Umtrainiert
Betrachten Sie bitte die Innenfläche ihrer rechten Hand.
Welcher Finger ist länger?
Hat Ihre Mutter noch andere Kinder?
Welcher Religionsgesellschaft gehören Sie an?
Üben Sie Sportarten aus?
Welche Sportarten üben Sie aus?
Ich trinke lieber Prosecco als Bier.
Für mein Alter habe ich einen überdurchschnittlich hohen Lebensstandard.
Ich denke, dass homosexuelle Männer heterosexuell sein könnten, wenn sie es wirklich wollten.
In meiner Freizeit mache ich gerne kreative Handarbeiten. (Bsp.: Malen, Basteln, Stricken etc.)
Ich bedauere es, jemals sexuelle Kontakte zu Männern gehabt zu haben.
Ich verschiebe manchmal etwas auf morgen, obwohl ich es eigentlich heute tun müsste.
In einer Partnerschaft übernehme ich in alltäglichen Situation eher die „typisch weibliche“ Rolle. (Bsp.: Putzen, Lebensmitteleinkauf, Kochen, etc.)
Ich tratsche manchmal über andere Leute.
Beim Sex übernehme ich überwiegend die „typisch weibliche“ Rolle.
Ich kann mich sprachlich gut ausdrücken.
Ich habe heimlich außerpartnerschaftliche sexuelle Kontakte.
Krankenhäuser sollten meiner Meinung nach keine schwulen Ärzte einstellen.
Ich mag Madonna.
Ich kann mir vorstellen eine Beziehung zu führen, in der mein/e Partner/in und ich sexuellen Kontakt zu anderen Personen haben.
Ich bin kulturell interessiert. (Beispiel: Theater, Oper, Museum, Musical, etc.)
Ich habe häufig Sex mit mir völlig unbekannten Personen.
Ich denke, dass Ärzte und Psychologen sich bemühen sollten, eine Heilung für männliche Homosexualität zu finden.
Ich finde, dass viele Männer unangenehm riechen.
Ich mag Katzen.
Schwule Männer wollen zu viele Rechte.
Ich konsumiere heimlich Pornographie mit homoerotischen Inhalten.
Ich gebe Geld für sexuelle Dienstleistungen mit anderen Männern aus.
Ich habe gelegentlich Gedanken und Vorstellungen, von denen ich nicht möchte, dass andere sie erfahren.
Ich benutze Sex-Spielzeug.
Sobald ich Alkohol getrunken habe, lasse ich homosexuelle Kontakte eher zu.
Ich finde, dass viele Frauen unangenehm riechen.
Ich würde gerne professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, um meine sexuelle Orientierung zu ändern.
Ich habe in meinem Leben schon gelogen.
Ich denke, dass Schwule ihre sexuellen Triebe nicht kontrollieren können.
Ich bezeichne mich selbst als feinfühlig.
Ich mag Musicals.
Ich lege viel Wert auf mein äußeres Erscheinungsbild.
Ich koche gerne.
Ich tanze gerne.
Drogerie-/Kosmetikartikel einzukaufen macht mir Spaß.
Ich gehe gerne ins Fitnessstudio.
Ich hatte in der Kindheit gewollten sexuellen Kontakt mit Mädchen. (Bsp.: Doktorspiele)
Als Kind habe ich mich männlich gefühlt.
Als Kind hätte ich gerne mehr „typisch weibliche“ Spiele gespielt.
Als Kind habe ich mit Make-Up und Schmuck experimentiert.
Als Kind habe ich pornographisches Material gesehen, das Frauen darstellte und war darüber schockiert
Als Kind habe ich immer sofort und ohne Murren getan, was man von mir verlangt hat.
In der Kindheit habe ich gleichaltrige Jungen als geheimnisvoll erlebt.
Ich vermute, meine Eltern hätten anstelle eines Sohnes lieber eine Tochter bekommen.
Als Kind hätte ich gerne getanzt. (Bsp.: Ballett)
Führen ihre Eltern momentan noch eine Liebesbeziehung?
Warum sind Sie ihrer Meinung nach hetero-, homo- bzw. bisexuell?
| Anzahl der gesamten bisherigen männlichen Sexualpartner: | 0 1 – 10 11 – 50 51 – 100 101 – 1000 über 1000 keine Angabe |
Anzahl der vermutlich schwulen/lesbischen/bisexuellen Verwandten:
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Filed under: Homophobie, Medien, Studien
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