dass ich nicht eher mein dich nannte,
du höchstes Gut, du wahre Ruh;
es ist mir leid, ich bin betrübt,
dass ich so spät geliebt.
Keine Angst ich bin nicht unter die Poeten gegangen – das Dichten überlasse ich denjenigen, die es können. Der Text stammt von Angelus Silesius und gehört zu dem Kirchenlied ‘Ich will dich lieben, meine Stärke’ (Gotteslob (GL) 558).
Ich habe, den ein oder anderen Leser mag das ins Staunen versetzten, über viele Jahre hinweg in römisch-katholischen und hin und wieder auch in evangelischen Kirchengemeinden im Rahmen der kultischen Handlungen Orgel gespielt. Heute wie damals wundere ich mich, welche Liedtexte da Sonntag für Sonntag mit Inbrunst abgesungen werden. Das oben genannte Kirchenlied habe ich scherzhafterweise gerne für Hochzeiten vorgeschlagen, und nicht selten haben die Brautleute es dann auch ins Programm aufgenommen. Naja, frischverliebt macht man/frau ja allerlei Unsinn.
Hier ein paar weitere Beispiele für das, was sich in den Texten der Kirchenlieder und Choräle verbirgt:
Ein Kind ist uns geboren heut, das alle Welt erfreut, das alle Welt erfreut, wendet unser Leid, wendet unser Leid. (GL 136)
Ja, öffne mir den stummen Mund; dann tu ich allen Menschen kund, was Großes du an mir getan, wie du mich nahmst in Gnaden an, dass, wer dir fern ist, sich bekehrt und so in dir auch Heil erfährt. (GL 164)
Du bist die starke Brücke, darüber alle Frommen wohl durch die Fluten kommen. (GL 182)
Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen. Seit dass er erstanden ist, so freut sich alles, was da ist. (GL 213)
Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, Halleluja, Halleluja, in deiner Urständ fröhlich ist. Halleluja; Halleluja. (GL 219)
Das ist der Tag, den Gott gemacht, der Freud in alle Welt gebracht. Es freu sich, was sich freuen kann, denn Wunder hat der Herr getan. Nun singt dem Herrn das neue Lied, in aller Welt ist Freud und Fried. Es freu sich, was sich freuen kann, denn Wunder hat der Herr getan. (GL 220)
Es singt der ganze Erdenkreis dem Gottessohne Lob und Preis, der uns erkauft das Paradeis. (GL 223)
Die ganze Erde staunt und bebt, weil Gottes Herrlichkeit anhebt; der Tod ist tot, das Leben lebt. (GL 224)
Sein Werk auf Erden ist vollbracht, zerstört hat er des Todes Macht. Er hat die Welt mit Gott versöhnt und Gott hat ihn mit Ehr gekrönt. (GL 229)
Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke. (GL 257)
Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet. (GL 258 )
Jetzt hat er sein Erbarmen an Israel vollbracht, sein Volk mit mächtigen Armen gehoben aus der Nacht. (GL 261)
Gerechtigkeit ist aufgericht’ als Zeichen seiner Huld und Treue vor aller Völker Angesicht. (GL 262)
Mit dir, du starker Heiland du, muss uns der Sieg gelingen. Wohl gilt’s zu streiten immerzu, bis einst wir dir lobsingen. Nur Mut, die Stund ist nimmer weit, da wir nach allem Kampf und Streit die Lebenskron erringen. (GL 304)
Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrrlichkeit. (Sanctus, zB GL 459)
Menschen, die ihr wart verloren, lebet auf erfreuet euch! (GL ET Ms 908 )
Seid nun fröhlich, jubilieret Jesu, dem Messias. (GL ET Ms 909)
Wer sich will freun von Herzen der heilgen Gnadenzeit, der geh’ zum heilgen Kreuze, das uns gebracht die Freud’, die Freud’ in Jesu Christ, der nun erstanden ist. (GL ET Ms 929)
Wunderbar sind Deine Werke, o Gott, die du hervorgebracht; (GL ET Ms 950)
Es gibt aber auch andere, gehaltvollere, weniger euphemistische und nicht so scheinheilige Texte. Mein Lieblingskirchenliedtexte sind:
Worauf sollen wir hören, sag uns, worauf? So viele Geräusche, welches ist wichtig? So viele Beweise, welcher ist richtig? So viele Reden! Ein Wort ist wahr.
Wohin sollen wir gehen, sag uns, wohin? So viele Termine, welcher ist wichtig? So viele Parolen, welche ist richtig? So viele Straßen! Ein Weg ist wahr.
Wofür sollen wir leben, sag uns, wofür? So viele Gedanken, welcher ist wichtig? So viele Programme, welches ist richtig? So viele Fragen! Die Liebe zählt.
(GL 623, Lothar Zenetti 1971)
und
Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Leben. Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet, so ist unser Leben, sehet.
Ach wie nichtig, ach wie flüchtig ist der Menschen Schönheit! Wie ein Blümlein bald vergehet, wenn ein rauhes Lüftlein wehet, so ist unsre Schönheit, sehet.
Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ach wie nichtig ist der Menschen Prangen! Der in Purpur hoch vermessen ist als wie ein Gott gesessen, dessen wird im Tod vergessen.
(GL 657, Michael Franck 1652)
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