25 Mar 08

Gestern hörte ich im Radio mehrfach Berichte über die Zeremonie anläßlich der Entzündung des Olympischen Feuers. Dabei wurden die drei Männer, die während der Rede des chinesischen OK-Chefs Spruchbänder entrollten und dazwischen riefen, immer wieder als ‘Störer’ bezeichnet. In der Presse wird heute die gleiche Terminologie verwendet. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet zum Beispiel:

Trotz großer Sicherheitsvorkehrungen sorgten drei Demonstranten für einen Eklat. Das Trio sprang mitten in der Rede von Pekings Olympia-OK-Chef Liu Qi auf und stürmte mit Bannern auf den Chinesen zu. Auf ihren Spruchbändern standen die Olympischen Ringe in Flammen und es war der Satz zu lesen: “Boykottiert das Land, das die Menschenrechte mit Füßen tritt”. Sicherheitskräfte überwältigen die Drei. Der übertragende griechische TV-Sender machte sofort einen Schnitt und blendete andere Bilder ein.

Sind diese Menschen wirklich Störer? Haben sie nicht vielmehr einen notwendigen Beitrag zu dieser Veranstaltung geliefert, die sonst nur aus unerträglicher Heuchelei bestanden hätte? All die anwesenden Größen aus Sport und Politik haben geschwiegen. Ich empfinde dieses Schweigen als störend.

Der Deutsche Sportbund hat gestern entschieden, dass die deutsche Olympiamannschaft an den Spielen in Peking teilnehmen wird. Hat irgend jemand etwas anderes erwartet? Die Olympischen Spiele haben mit Sport nichts zu tun – schon lange nicht mehr. Es geht ausschließlich um kommerzielle Interessen (der Funktionäre, der Werbebranche, des gastgebenen Landes, der so genannten Sportler, …). Zur Ablenkung werden uns mehr oder weniger gedopte Hampelmänner (und -frauen) vorgeführt werden, die, je nach Wettkampfverlauf (allein das Wort WettKAMPF macht die Veranstaltung schon fragwürdig) mit dicken Tränen ihren Sieg oder ihre Niederlage beweinen und ihre grandiose Eloquenz in unerträglichen Interviews der Öffentlichkeit präsentieren werden. Das Volk will es so. Es johlt und treibt die Einschaltquoten in die Höhe. Und das Drama um Tibet macht die Sache doch nur noch spannender! Wird vielleicht doch ein verwirrter Sportler dem Chinesischen Staatspräsidenten in einem ohnmächitgen Wutanfall die soeben errungene Goldmedaille vor die Füße werfen? Da will man doch dabei sein!

Was glauben wir denn? China gehört, egal ob wir auf das BIP, Exporte, Importe, Goldreserven, oder die Zahlungsbilanz abstellen, zur Spritzengruppe in der Weltwirtschaft. Es ist als Wirtschafts- und Handelspartner Deutschlands nicht mehr wegdenkbar. Elektrogeräte, Kinderspielzeug und vieles mehr werden heute überwiegend aus China importiert (ohne dass das ‘Made in China’ auch nur im geringsten ein Qualitätsmerkmal wäre). Mit so einem Land legt sich niemand an (außer ein paar mutigen Mönchen auch dem Tibet, die, wen wunderts, von den ach so fortschrittlichen Demokratien Europas und Amerikas nun im Regen stehen gelassen werden). Mahnende Worte werden, wenn überhaupt, nur mit größter Behutsamkeit ausgesprochen. An ernsthafte Sanktionen oder gar einen Boykott der Olympischen Gewinnspiele ist da doch gar nicht zu denken.

Dass die Medien einen Olympiaboykott nicht überstützen, liegt auf der Hand: Die Werbeminuten sind schon lange teuer verkauft.

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