12 Dec 07

Die Pfadfinder (Boy Scouts) in Philadelphia (Pennsylvania, USA) müssen sich eine neue Unterkunft suchen. Nachdem sie seit 1928 in einen städtischen Gebäude ihre Einrichtungen unterhielten, mag sich der dortige Steuerzahler (vertreten durch die Stadtverwaltung) nicht mehr von den Pfadfinder-Oberen auf der Nase rumtanzen lassen.

Die Gründe für den Rausschmiss liegen in der schwulenfeindlichen Haltung der Boy Scouts of America. Die Boy Scouts lehnen es, mit Billigung des Supreme Court, ab, schwule Jungs als Mitglieder aufzunehmen.

[...] defending traditions like requiring members to swear an oath of duty to God and prohibiting membership by anyone who is openly homosexual

Das ist insoweit in Ordnung, als es sich um eine privatrechtliche Vereinigung handelt. Allerdings müsse sich dann diese Vereinigung an die Spielregeln halten, die für alle gelten, meint die Stadtverwaltung in Philadelphia. Und eine der Spielregeln in Philadelphia lautet: Wer Schwule diskriminiert, bekommt keine Förderung aus öffentlichen Mittel. Und da das mietzinsfreie Nutzen städtischer Grundstücke und Gebäude nichts anderes als eine solche Förderung ist, wurden die Pfadfinder vor die Wahl gestellt, entweder eine ortübliche Miete zu zahlen (rund USD 200000/jährlich) oder das Gebäude zu räumen. 

Drei Jahre haben die Pfadfinder sich geziert und Nebelbomben geworfen:

Local scout leaders said they tried hard to find a compromise between the city and their own national office, and in 2005 they seemed poised to agree on a policy statement adopted by the Boy Scouts in New York, which did not renounce the prohibition against gay members, but affirmed that “prejudice, intolerance and unlawful discrimination in any form are unacceptable.”

Aber damit konnten sie nur die Verhandlungen in die Länge ziehen. Dass sie es ernst meinen, hat ihnen niemand geglaubt.  Die Stadt wollte klare Verhältnisse: 

“At the end of the day, you can not be in a city-owned facility being subsidized by the taxpayers and not have language in your lease that talks about nondiscrimination,” said City Councilman Darrell L. Clarke, who represents the district where the building is located. “Negotiations are over.”

Natürlich gibt es Pfadfinderseits großes Geschrei. Die armen, armen Kinder…

Jeff Jubelirer, a spokesman for the local chapter, said it could not afford $200,000 a year in rent, and that such a price would require it to cut summer-camp funds for 800 needy children.

“With an epidemic of gun violence taking the lives of children almost daily in this city, it’s ironic that this administration chose to destroy programming that services thousands of children in the city,” Mr. Jubelirer said. He added that the organization serves more than 69,000 young people, mostly from the inner city, and that its programming focuses on mentoring and after-school programs instead of camping trips.

Tja, hätten sich die Pfadfinder-Oberen nicht in unangebrachter Prinzipienreiterei geübt, könnten sie ihre Arbeit, ob sinnvoll oder nicht sei dahin gestellt, in dem warmen, gemütlichen, kostengünstigen städtischen Gebäude fortsetzen. Jetzt zu jammern und die Schuld an dem Dilemma anderen zuzuschieben ist die übliche Heuchelei und Bigotterie, die aufkommt, wenn der klare Verstand gegenüber der Frömmelei die Oberhand behält.

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