Jahrelange Versäumnisse

Markus Danuser, bis vor wenigen Wochen Vorsteher des Kölner Lesben- und Schwulentages (KLuST) und damit in der Vergangenheit für die Organisation des ColognePride verantwortlich, hat einen bemerkenswerten* Textbeitrag zur Diskussion über die Teilnahme von Pro Köln an der Kölner CSD-Parade geliefert. Er schreibt darin:

Eine vermeintliche Überschneidung der rechten Programmatik mit relevanten LST-Themen glaubt „Pro Köln“ dort geortet zu haben, wo es um das Sicherheitsbedürfnis von Lesben und Schwulen geht. Hier wird es notwendigerweise sofort diffus, aber auch im toleranten Köln gibt es immer wieder Gewalt gegen Lesben und Schwule, und das zumindest subjektive Empfinden der Betroffenen ist dabei oft, dass die Täter mehrheitlich einen Migrationshintergrund haben und/oder aus islamisch geprägten Milieus stammen.

Diesem subjektiven Gefühl Ausdruck zu verleihen, ist jedoch außerhalb des höchstpersönlichen Umfeldes oder des Bierdunstes der Szene-Theken schwierig bis unmöglich, da der LST-Diskurs, der traditionell eher aus linken Quellen gespeist wird, politisch sehr korrekt geführt wird und die Untersuchung eines möglichen Zusammenhangs zwischen sich in Gewalt entladender Homophobie und der kulturell-religiösen Prägung einzelner Tätergruppen als nicht opportun gilt.

Wir konnte es dazu kommen, dass Pro Köln sich so sehr eingeladen fühlt an der CSD-Parade teilzunehmen? Nun, wenn aus dem rechten politischen Spektrum gegen schwule Menschen geredet oder gehandelt wird, führt dies zu großer Empörung. Bemerkenswert an dieser Empörung ist allein ihre Reflexartigkeit – eine fundierte inhaltliche Auseinandersetzung findet sind statt, jedenfalls nicht außerhalb elitärer Kränzchen. Hingegen: Ist verbale oder physische Gewalt islamisch motiviert (oder wird einfach nur mit dem Islam begründet), bleibt die Empörung aus. Danuser hat das sehr passend formuliert. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass sich gegen christliche Schwulenfeindlichkeit sehr wohl Empörung erzeugen lässt –  das jüngst von David Berger ins Spiel gebrachte Talkshowverbot für christliche Eiferer kommt nicht von ungefähr.

Genau diesen Befund macht sich Pro Köln zu nutze. Continue reading

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Degeneration

charityMagnus-Hirschfeld-Stiftung
+ Waldorf Astoria
+ Charity Dinner
= Dekadenz

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Soso

Soso, das war’s, was ich – selektiv – zunächst als Motto des diesjährigen ColognePride wahrgenommen habe. Es hätte gut gepasst als Motto, denn soso, der Duden verrät es, steht für mittelprächtig, durchschnittlich, durchwachsen, einigermaßen, erträglich, halbwegs, leidlich, mäßig, mittelmäßig , passabel. Mittelmäßig, ja das ist schon ein großes Lob für den Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST) als Organisator des ColognePride.

Tatsächlich lautet das Motto

Wir sind. So oder so.

Was damit gemeint ist, weiß ich nicht. Die Verzweiflung muss schon recht groß sein, um auf so eine Leerformel zu kommen. Weil das so ist, hatte Jörg Kalitowitsch, Leiter der CSD-Parade und Vorstand des Kölner Schwulen- und Lesbentags, bei der Pressekonferenz in den Räumen der skandalumwitterten Sparkasse KölnBonn, dem lokalen Synonym für Filz und Klüngel, auch nichts Sinnvolles vorzutragen. Stattdessen, so schreibt der Kölner Stadt-Anzeiger,

kritisierte [Kalitowitsch] den WDR, der als größer Fernsehsender der Stadt nicht vom nach dem Rosenmontagszug zweitgrößten Ereignis Kölns mit hunderttausenden Zuschauern nicht live berichten werde. „Vielleicht wird das mit einer neuen Intendanz besser“, sagte der Paradenleiter. Der Intendantenposten des WDR ist nach dem Rückzug von Monika Piel derzeit vakant.

Mit Blick auf den WDR steht fest, dass es mit einer neuen Intendanz nur besser werden kann. Die zentrale Frage muss aber lauten, warum soll der WDR die Parade live übertragen?

Die von WDR gegebene Antwort

„Wir bilden die diesjährige Parade schon im Programm ab, zum Beispiel wird 1Live etwas machen“, […] Dennoch sei der CSD „ein sehr lokales Ereignis“, zudem seien solche Umzüge „aufwendig zu produzieren.“

ist eher dumm und den nach der Teilnehmerzahl wohl größten deutschen CSD, der just in der größten nordrhein-westfälischen Stadt stattfindet, als lokales Ereignis abzutun, zeugt von WDR-typischer Ignoranz, vermeidet eine inhaltliche Auseinandersetzung. Ich erledige diese Arbeit für den WDR: Continue reading

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„Alternative für Deutschland“ – Alternative für schwule Menschen?

Die jüngst neu gegründete Partei Alternative für Deutschland macht als Anti-Euro(pa)-Partei von sich reden. Es stellt sich die Frage, ob diese Partei für schwule Menschen ein wählbare Alternative ist. Allein die postulierten Vorstellungen zur Zukunft der europäischen Gemeinschaftswährung lassen keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die gesamtpolitischen Vorstellungen der Partei zu. Jedoch erhellt das Wahlprogramm die gesellschaftspolitischen Vorstellungen und die geistige Verortung der neuen Partei. Die interessante Passage im Programm lautet:

  • Die Eurokrise gefährdet alle Formen der Altersvorsorge durch Überschuldung und minimale Zinsen.Die Schulden der Eurokrise dürfen nicht zu einer Rente nach Kassenlage führen.

  • Wir fordern, Kinder stärker bei der Rentenberechnung zu berücksichtigen.

  • Deutschland hat zu wenige Kinder. Renten- und Krankenversicherung stehen deshalb auf tönernen Füßen. Deutschland muss kinder- und familienfreundlicher werden.

  • Wir stehen für den Schutz der Familie als Keimzelle der Gesellschaft. Eine solidarische Förderung der Familien ist eine Investition in unsere gemeinsame Zukunft und wesentlicher Teil des Generationenvertrages.

Dazu ein paar Anmerkungen:

Die Eurokrise gefährdet alle Formen der Altersvorsorge durch Überschuldung und minimale Zinsen.

Auf den ersten Blick hat das nichts mit schwulen Menschen zu tun, entlarvt aber eindrucksvoll die sachliche Inkompetenz der Alternative für Deutschland. Denn die sogenannte „Eurokrise“ gefährdet mitnichten „alle Formen der Altersvorsorge“. Gefährdet sind nur die typischen Altersvorsorgemodelle des bequemen Wohlfahrtsbürgers. Sachwertbezogene Altersvorsorgemodelle sind zum Beispiel nicht betroffen.

Wir fordern, Kinder stärker bei der Rentenberechnung zu berücksichtigen.
Deutschland hat zu wenige Kinder. Renten- und Krankenversicherung stehen deshalb auf tönernen Füßen. Deutschland muss kinder- und familienfreundlicher werden.

Dahinter steckt die Überlegung, dass die Kinder von heute die Alten von morgen versorgen sollen. Die Alten von morgen, dass ist die heute sich um ihre bequeme, wohlfahrtsstaatlich garantierte Rente sorgende Generation. Die Alternative für Deutschland will nichts anderes, als das beliebte Spiel, einfach die Verpflichtung der einen Generation auf die nächste überzuwälzen, weiterspielen. Ja, die Spielregeln sollen sogar verschärft werden. Wer jetzt viele Kinder zeugt, soll später einen Rentenzuschlag erhalten – von den jetzt gezeugten Kindern! Ganz gewiss hat die Alternative für Deutschland nicht einen Gedanken daran verschwendet, ob für diese vielen Kinder zukünftig Continue reading

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Widerstand gegen die CDU verboten?

Die CDU (nebst ihres bayerischen Anhangbetriebes CSU) wird seit geraumer Zeit von schwulen und lesbischen Menschen wegen ihrer schwulenfeindlichen Grundhaltung kritisiert. Doch geschieht etwas Konkretes? Werden etwa (im Bund und in Bayern ist Wahljahr) die diesjährigen CSDs umfunktioniert in Anti-CDU/CSU-Demonstrationen?

Nein, selbstverständlich nicht. Schwule Menschen könnten jetzt mal deutlich machen, was sie von den Regierenden halten – aber das will ja keiner …
Überraschender Weise hat ausgerechnet der (Berliner) CSD e.V. als Organisator der jährlichen CSD-Parade beschlossen, die CDU/CSU beim 35. CSD Berlin nicht zuzulassen. Dafür erntet der CSD e.V. nun reichlich Kritik, insbesondere auch von schwulen und lesbischen Menschen.

Da wir zum Beispiel behauptet, dieser Ausschluss sei demokratisch nicht legitim. Der CSD müsse sich tolerant und weltoffen zeigen, meint zum Beispiel die Berliner grüne Abgeordnete Anja Kofbinger, Fraktionssprecherin für Frauen- und Queerpolitik, und offenbart damit ein fragwürdiges, aber höchst zeitgemäßes Verständnis von Demokratie und Toleranz. Demokratie wird mittlerweile dahin verstanden, dass schwule Menschen in ihren eigenen Vereinen und ihren eigenen Veranstaltungen expliziten Schwulenhassern ein Forum bieten müssen. Es wird schwulen und lesbischen Menschen ganz klar das Recht entzogen, ausschließlich ihre eigenen Auffassungen zu vertreten; sie müssen immer gleich die Ansichten ihrer Gegner mit kundtun und gutheißen – während umgekehrt schwulen und lesbischen Menschen das Recht auf uneingeschränkte teilhabe verweigert wird.

Es wird auch gesagt, man solle die CDU ruhig mit einem eigenen Wagen an der Parade teilnehmen lassen, die Schwulen und Lesben am Straßenrand würden schon durch Pfeifkonzerte und vielleicht Eierwürfe ihren Unmut kundtun.
Unsinn ist das. In Berlin (genau wie in Köln oder Hamburg oder München) gehen schwule und lesbischen Menschen nicht zum CSD um irgendetwas kundzutun. Continue reading

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Redeverbot für Kuby & Co.?

Es ist geradezu obszön, wie David Berger, Chefredakteur im Hause Gmünder und, wie es heißt, Bestsellerautor, den kürzlich in Paris übel zugerichteten Wilfred de Bruijn für seine Zwecke missbraucht.
Homohasser raus aus den Talkshows, fordert Berger in einem Textbeitrag für queer.de. Gabriele Kuby, Martin Lohmann und all die anderen Schwulenhasser sollen sich nicht mit Hilfe der Fernsehsender Gehör und Gesicht verschaffen können. Bergers Argumentationslinie ist, wenn ich ihn recht verstehe, folgende: Auch in Deutschland kann es wie in Frankreich zu einem spürbaren Anstieg schwulenfeindlicher Gewalt kommen und wenn es dann Opfer wie Wilfred de Bruijn gibt, dann ist das darauf zurückzuführen, dass Kuby & Co. kein Redeverbot haben.

Dazu ein paar Anmerkungen: Continue reading

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Bürgerkrieg

Da drohen nun die Konservativen in Frankreich mit einem Bürgerkrieg, wenn die sogenannte Homo-Ehe nicht in letzter Minute verhindert wird. Sie drohen nicht nur den schwulen Männern, sie drohen allen Franzosen, die nicht bereit sind Vernunft abzulegen.

Sind es die Konservativen, die da drohen? Oder die Rechten oder die Rechtsextremen?
Ganz egal, es lohnt nicht darüber nachzudenken wie dieser Hass und Gewalt bringende Teil der Menschheit zutreffend zu bezeichnen ist. Spannender ist vielmehr, warum diese Menschen so ein Geschrei machen. Hat Frankreich nicht gerade wichtigere und drängendere Probleme zu lösen? Warum gehen die Demonstrierer nicht auf die Straße und Protestieren gegen die Bankenmacht, Bürokratenmacht (EU und EZB!), Staatsverschuldung, soziale Ungerechtigkeit, … Themen gibt es doch genug! Warum also dieser unbegründete Hass gegen schwule Menschen? Continue reading

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