Qualitätsjournalismus

Im Landtag und in den Behörden des Landes Nordrhein-Westfalen ist das Aufrufen des Online-Portals queer.de gesperrt. Warum? Weil die angeblich so schwulenfreundliche SPD/Bündnis90-Regierung des Landes queer.de für abgrundtiefe, verwerflichste Pornografie hält. queerPride hingegen ist zugänglich – sogar für Katholiken. Warum? Weil queerPride ein Glanzstück meisterhaften Journalismus ist, das in jede Amtsstube gehört.

Wie, queerPride ist nicht bekannt?

Nun, das Magazin für die LGBT Community, so die Selbstbeschimpfung, ist ein Portal von netzdenker.de.

Netzdenker – soso. Mal schauen, womit die großen Denker das Netz so vollkritzeln.

Der Aids-Virus – Infektionsrate steigt!, 

heißt es in großen Lettern am 15.04.2014.

Was haben die sich dabei gedacht?

Nun, zunächst haben sie wohl gedacht, wenn man Aufmerksamkeit erregen will, macht man’s am besten wie die BLÖD-Zeitung: schön groß, schön blöd.

queerPride aus dem Haus der Netzdenker entscheidet sich also für das Maskulinum. Der Virus. Das kann man so machen, insbesondere wenn man darauf hinaus will, dass HIV ein Problem von Männern ist, Continue reading

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Vorherrschaft des politisch Korrekten

Respektlos ist es aber, alles und jeden (besonders auch innerhalb der sogenannten Community!) als Transophob, Homophob oder sonstwiephob zu beschreien, der es wagt, die selbstauf-erlegten Fesseln der zur Farce verkommenen politischen Korrektheit zu sprengen. Ekelhaft ist das!

lese ich auf m-maenner.de. Diese Kritik an der politischen Korrektheit ist ein Lichtblick – allerdings nur ein winziger Lichtblick, der Text erscheint auf Männer in der Rubrik Glosse, ist also nicht ernstgemeint, soll nicht ernstgenommen werden.  Außerdem arbeitet sich der Autor Stefan Adler an Vorfällen in den USA und Großbritannien ab. Dabei gäbe es zum Thema politische Korrektheit in der deutschen schwulen Welt viel zu sagen.

Politisch korrektes Verhalten, das politisch korrekte Wort und die politisch korrekte Tat, ist etwas, was sich schwule Menschen, ihre Matadore und ihre Medien spätestens Ende des vorigen Jahrtausends auferlegt haben. Politische Korrektheit mag im Kampf schwuler Männer um Toleranz, Akzeptanz und Gleichberechtigung ihre Berechtigung gehabt haben, stand doch dahinter die Überlegung, dass politische Korrektheit schwule Menschen salonfähig machen und die zur Schau gestellte Untadeligkeit reflektiert würde. Indes: sie hat ihr Ziel nicht erreicht und erweist sich mittlerweile als schwere Bürde. Mir erscheint es so, als gäbe es ungeschriebene Gesetze, nach denen sich schwule Menschen bei ihren Meinungsäußerungen zu richten haben.

Ein zentrales Gebot ist ein behutsamer Umgang mit der Presse, dem Hörfunk und dem Fernsehen. Seit ein paar Monaten, ausgelöst durch Vorgänge in Frankreich und einer schwachsinnigen Petition in Baden-Württemberg haben die öffentlichen-rechtlichen Sender und große Tageszeitungen jede Scheu abgelegt und hetzen gegen schwule Menschen. Politisch unkorrekt.
Die Reaktion von schwuler Seite fällt darauf verhalten und hilflos aus. In den schwulen Blogs und sonstigen Medien gab es empörte Kommentare, doch die tun niemandem weh. Politische Korrektheit tut naturgemäß niemand weh.

Aber was macht der homosexuelle Mann? Haut auf den Tisch? Gebietet Einhalt? Verabschiedet sich endlich von seiner verkackten Strategie der Anpassung?

schreibt Elmar Kraushaar in der taz. Niemand haut auf den Tisch, die politische Korrektheit verbietet es. Hier und da wird über Redeverbote für unliebsame Talkshowgäste und Richtlinien für die Berichterstattung diskutiert und es wird nach dem Gesetzgeber gerufen und die Bundesmutti soll all dem Einhalt gebieten. Aber auf den Tisch hauen, dass macht der schwule Mann, nachdem er vom LSVD, Volker Beck und seinen Bündnisgrünen und vielen anderen zum politisch korrekten Anstandsschwulen erzogen wurde, nicht.

Am Beispiel “Matthias Matussek”, einer schwer gestörten Lebensform, möchte ich zeigen, wie das auf den Tisch hauen aussehen kann. Continue reading

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Polygamie statt Homosexualität

Da ist mal wieder so ein afrikanischer Staatschef auf Betteltour in Europa und versucht mit der billigen, aber zielführenden These, Europa habe eine Erbschuld gegenüber den afrikanischen Staaten, Geld aufzutreiben. Auf die Frage, wie er’s mit den Menschenrechten halte, antwortet er in Der Zeit:

In Afrika haben wir unseren Lebensstil – manches mögen Sie als schlecht ansehen, manches als gut. Wir haben zum Beispiel in manchen Gegenden die Polygamie. Ein Mann kann mehrere Frauen haben. Das ist ein Lebensstil. Das ist ein soziales Phänomen. Können Afrikaner von Europäern fordern, dass sie auch die Polygamie erlauben? Das ist unsere Kultur, nicht Ihre. Vielleicht wird sich das ändern. Es braucht Zeit.

Die Antwort zeigt: der von der Zeit als Vorbilddemokrat hingestellte Macky Sall ist auch nur ein Schwachkopf erster Güte. Die Verfolgung, Ermordung und Hinrichtung schwuler Männer in zahlreichen afrikanischen Staaten wird also damit gerechtfertigt, dass die Afrikaner die Europäer nicht bitten würden, die Polygamie zu erlauben.

Es ist bezeichnend für den deutschen Journalismus, dass solcher Unsinn nicht entlarvt wird. Zwar darf in Deutschland Continue reading

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Bedrohungen

Zwei Meldungen vom Tage:

  • CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte: “Dieser im Ausland feixende Edathy kotzt mich an. Wer Bilder nackter Jungen auch noch schamlos als Kunst bezeichnet, gehört in die Klapse.” Es werde “allerhöchste Zeit für ein Edathy-Gesetz, das unsere Kinder vor solchen Widerlingen schützt”. Gegen den Ex-Abgeordneten ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts, Kinderpornos gekauft zu haben. (Quelle: Die Zeit)
  • CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder mahnt bei Sanktionen gegen Russland zur Zurückhaltung. Trotz der völkerrechtswidrigen Abspaltung der Krim von der Ukraine rät Mißfelder zur Vorsicht. “Bei Sanktionen muss man eben aufpassen, dass man sich nicht ins eigene Fleisch schneidet”, sagte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag im “Südwestrundfunk”. (Quelle: n-tv)

Für die Union ist Edathy anscheinend die größte vorstellbare Bedrohung. Sogar ein eigenes Gesetz muss zu seiner Bekämpfung her. Putin hingegen soll gehegt und gepflegt werden. Continue reading

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Koalitionen

In den USA sind sie mit ihren Hassthesen nicht weitergekommen, also nutzen sie ihren Einfluss und ihr Geld, um andernorts Stimmung gegen schwule Menschen zu machen. Die Rede ist von Scott Lively und Peter La Barbera, zwei evangelikale Christen, die seit Jahren in ätzender Weise gegen schwule Männer vorgehen. Lively ist zum Beispiel Verfasser des Pamphlets The Pink Swastika und behauptet neuerdings, schwule Männer seien an der Krise in der und um die Ukraine schuld.
Mit viel Geld und persönlichen Auftritten in Uganda haben sie die schwulenfeindliche Gesetzgebung in dem afrikanischen Land gefördert und durch ihre Organisationen Defend the Family International (Lively) und Americans for Truth About Homosexuality (La Barbera) lassen sie Putins öffentliche Treibjagd auf schwule Menschen bejubeln.
Dabei stellen sie die Verhältnisse in Uganda und Russland als vorbildlich hin und fordern andere Ländern zu Nachahmung auf.

Nun gehen sie einen Schritt weiter und haben vor einem Monat begonnen, ein internationales Netzwerk zu bilden, die Coalition for Family Values, in das sie bereits zahlreiche Gay-Hate-Groups aus den USA, Kanada, Australien, Großbritannien und Brasilien einbezogen haben. US-amerikanischen Berichten zufolge handelt es sich dabei teilweise um sehr finanzstarke Organisationen. Ziel ist die internationale Lobbyarbeit zu Lasten schwuler Menschen. Links zu Medienberichten über diese neue Coalition for Family Values folgen am Ende des Posts.

Eine Koalition der Schwulenhasser also.

Welche Koalitionen haben eigentlich schwule Menschen? Continue reading

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Die SPD hält Wort. Aber welches?

§ 9 Absatz 7 des Lebenspartnerschaftsgesetzes ist mit Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes unvereinbar, soweit die Annahme eines adoptierten Kindes des eingetragenen Lebenspartners durch den anderen Lebenspartner danach nicht möglich ist.

Dem Gesetzgeber wird aufgegeben, bis zum 30. Juni 2014 eine verfassungsgemäße Regelung zu treffen. Bis zur gesetzlichen Neuregelung ist § 9 Absatz 7 des Lebenspartnerschaftsgesetzes mit der Maßgabe anzuwenden, dass die Adoption des angenommenen Kindes des eingetragenen Lebenspartners möglich ist,

hat das Bundesverfassungsgericht am 19. Februar 2013 entschieden.

Nun endlich, nach mehr als einem Jahr bequemt sich der amtierende Bundesminister der Justiz, Heiko Maas (SPD), dem Bundestag ein entsprechendes Gesetz vorzulegen. Es wird auch langsam Zeit und es wäre nicht das erste Mal, dass das Verfassungsgericht Regierung und Gesetzgeber daran erinnern muss, einen zu Lasten von schwule und lesbischen Menschen bestehenden verfassungswidrigen Zustand fristgerecht zu beseitigen.

Dass Maas sich erst jetzt zu einer Selbstverständlichkeit aufrafft, ist der Arbeitsgemeinschaft der Lesben und Schwulen in der SPD (Schwusos) eine Jubelmeldung wert:

Heiko Maas hat Wort gehalten und schnell eine Vereinfachung der Adoption gesetzlich ermöglicht. Das ist ein guter Anfang und setzt die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts um.

Wow! Die Schwusos halten es für einen guten Anfang, dass die SPD sich verfassungskonform verhält. Da bin ich aber gespannt, was noch kommt.

Richtig dreist, gerade zu dummdreist, wird es im weiteren Verlauf der Pressemitteilung: Continue reading

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Verbrannte Erde + Untergang + Märchen + Drama = Berlin

Merkwürdig ist das, was sich da in Berlin abspielt und was darüber zu lesen ist. Ich meine nicht das Merkel-Berlin, sondern das schwule Berlin. Es geht um den dortigen CSD, der möglicherweise gar nicht mehr CSD heißt, dessen Veranstalter, den Berliner CSD e.V., und das eben von diesem CSD e.V. kürzlich verstaltete CSD-Forum. Ich war nicht dabei, betrachte das Ganze aus der Ferne und las was andere schrieben:

Der beste Kommentar stammt tatsächlich von David Berger auf Männer und mit seinem letzten Satz,

genau das ist unser Problem,

bringt er die Dinge auf den Punkt. Besser, um es genau zu beschreiben: Mit dem, was nach dem Satz folgt, bringt er die Dinge auf den Punkt. Es folgt nämlich – nichts!

Auf queer.de liest sich das so:

Es mangelt an einigem guten Willen auf allen Seiten, speziell aber auch an dem Meister.

Danach: Ende des Beitrags. Wer der Meister sein soll bleibt offen.

Im Probleme beschreiben und manchmal auch herbeischreiben sind wir schwulen Schreiberlinge alle ganz groß, aber wenn es um Problemlösungen geht: Fehlanzeige. Wir stellen alle unsere Diagnosen, aber eine brauchbare Therapie sehe ich bei keinem.

So ist es auch mit dem Gerangel um den Berliner CSD und seinem Verein. Alle finden doof was da gemacht wird. Das CSD Forum war doof und die beabsichtigte Umbenennung der CSD-Parade in Stonewall Berlin ist erst recht doof. Es mag durchaus sein, dass die Protagonisten des CSD-Vereins ungeschickt agieren, aber was dagegen aufgeboten wird nimmt grotesk lächerliche Züge an. Da gibt es zum Beispiel eine Online-Petition, die sich gegen die Umbennung richtet. Diese Petition, ist verlinke sie nicht, aus Gründen, die gleich klar werden, ist frei von Inhalten und hat zusammengefasst folgende Kernaussage: Mami, Mami, die sind gemein zu mir, die wollen, dass ich zu meinem CSD nicht mehr CSD sagen darf.
Zu finden ist diese Petition auf openpetition. Das ist jene Plattform, in der beliebig gegen schwule Menschen gehetzt werden darf. Wer das nicht mitbekommen hat und dort sogenannte Petitionen platziert, soll bitte weiter im Sandkasten spielen. Ernst nehmen kann ich so etwas jedenfalls nicht.

Was ist also passiert in Berlin? Der Verein möchte dem CSD eine andere Prägung geben als in der Vergangenheit. Er soll politischer werden. Zurück zu den Wurzeln, die da im Stonewall Inn in New York zu finden sein sollen. Eine gute Sache, dachte ich. Endlich mal weg von dem belanglosen Einerlei der deutschen Großstadt-CSDs. Doch es brach ein riesen Geschrei los. Das geht doch nicht! Das kann man doch nicht machen? Wo kommen wir denn da hin? Noch besser, dachte ich, endlich mal Stimmung in der Bude, da kommen jetzt bestimmt viele gute Ideen auf den Tisch. Continue reading

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